EIGENSINN | OBSTINACY



Ich treffe Frauen, die einen Unterschied machen. Frauenrechtlerinnen, Journalistinnen, Wissenschaftler-innen, Künstlerinnen, Feministinnen. Ich treffe Frauen, die Position beziehen. Für andere. Für sich selbst. Ich treffe sie in Algier und Kyoto, in Chennai, Berlin, in Santiago de Chile, Seoul, in Athen, Teheran oder Minsk (...). Ich bringe meine Kamera mit. Ein Stativ, einen Selbstauslöser und einen Spiegel. Ich bitte sie, sich selbst zu fotografieren. Und verlasse den Raum.

 

Im Mittelpunkt von EIGENSINN stehen Frauen aus verschiedenen Ländern und gesellschaftspolitischen Systemen, die eines verbindet: Sie beziehen Position. Sie zeichnen sich durch eine eigene Haltung aus. Frauen, wie die politische Aktivistin Claudia Dides, die in Santiago de Chile für die Liberalisierung einer der restriktivsten Abtreibungsgesetzgebungen der Welt kämpft.

Im Rahmen des Projektes treffe ich Frauen, die für ihre Überzeugungen, ihre Art zu leben, ihre Arbeit einstehen, - oft gegen geltende Konventionen, Traditionen oder mehrheitlich geteilte, gesellschaftliche Vorstellungen. Die im Kleinen oder im Großen als Frauenrechtlerinnen, Feministinnen, politische Aktivistinnen, Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Arbeiterinnen häufig abseits einer breiten öffentlichen Wahrnehmung einen Unterschied machen.

Für Eigensinn setzen diese Frauen sich selbst ins Bild. Die Porträts entstehen als Selbstbildnisse der Frauen, als Fotografien von Spiegelbildern. Die Frauen sind dabei die Dramaturginnen ihrer eigenen Inszenierung. Sie bestimmen über den Ort, ihr Aussehen, ihre Haltung, ihren Abstand zum Spiegel und den Moment des Auslösens. Ich selbst verlasse den Ort des fotografischen Geschehens und gebe die Kontrolle, die ich gewöhnlich als Fotografin über das entstehende Bild habe, an die Frauen ab. Der Spiegel und der Selbstauslöser dienen in diesem Aufbau gleichermaßen der Kontrolle über das eigene Bild. Das Drücken des Selbstauslösers markiert den Moment der Entscheidung für eine bestimmte Form der Selbstdarstellung, die zugleich Behauptung oder Frage sein kann.

Diese Selbstporträts kombiniere ich mit einem weiteren eigenen Foto und mit einem Text, der auf der Basis von Interviews entsteht. Die zweite Aufnahme zeigt dabei jeweils einen Ausblick aus den Räumen, in denen die Porträts entstanden sind. Sie fungiert im Rahmen der Arbeit als eine Art Erweiterung des Selbstbildnisses. Ich richte dafür die Kamera vom Spiegel weg auf das Fenster und den Blick nach außen.

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AUSSTELLUNGEN | EXHIBITIONS

05.03.2016 - 20.03.2016 - aff galerie berlin

26.04.2014 - 11.06.2014 - a/e galerie potsdam

 

PRESSE | PRESS

FEATURE im Korea Forum: In der Jahresausgabe 2015 des Magazins stellt der Korea Verband Berlin die Serie der koreanischen Frauen aus dem EIGENSINN-Projekt vor, die im April 2015 in Seoul entstanden sind.

 

 

Potsdamer Neuste Nachrichten zur Ausstellungsinstallation in der Potsdamer a/e galerie (Mai 2014):
"Auf drei Borden übereinander hat die in Berlin lebende Fotografin und Sozialwissenschaftlerin Bilder von Frauen dreier Generationen angeordnet. Man erfährt im nebenstehenden Text, dass die drei Porträtierten Großmutter (84), Mutter (56) und Tochter (26) sind und in Indien leben. Wenke Seemann hat sie dort in ihrer alltäglichen Umgebung getroffen und gebeten, sich selbst mit einer Kamera mit Selbstauslöser zu fotografieren. Diese Bilder erzählen die Emanzipations-Geschichten dreier Frauengenerationen und sie sind Teil der Serie „Eigensinn“, für die die 36-jährige Fotografin Frauen in Algier, Kyoto, Berlin und in Chennai in Indien besucht hat. Großartig, in welchem Moment und mit welch unterschiedlichen Haltungen sich die Porträtierten selbst abgelichtet haben und wie viele Details schon aus ihrer Kleidung oder ihrer unmittelbaren Wohnumgebung abzulesen sind. Eine interessante Arbeit, von der man unbedingt mehr sehen möchte." (Astrid Priebs-Tröger, Potsdamer Neuste Nachrichten, 08.05.2014) [zurück]